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NTC 2004 (Nationales Trainingscamp)

 

Aufbau, Lagerplatz der BiberWeil es ja besser ist, habe ich beschlossen, im Jahr 2004 das "NTC" der Royal Rangers zu besuchen. Wer mich kennt weiß, daß ich nicht sehr geduldig bin ... also gleich den ersten Termin im laufenden Jahr herausgesucht: 13. bis 16. Mai 2004 . Eine Vorbemerkung scheint zuvor noch sinnvoll: Ich habe das NTC gerne besucht, und nehme das Erlernte sehr ernst. Insbesondere alles um das Thema Sicherheit,Umgang mit Kindern und Jugendlichen und die christlichen Werte. Trotzdem konnte ich mir hier und da ein kleines Schmunzeln nicht gänzlich verkneifen. Ich wollte kein staubtrockenes Protokoll hier ablegen, aber lest doch selbst...

Um es gleich vorweg zu nehmen : Ja, das NTC fand zur Zeit der "Eisheiligen" statt ... und diese machten ihrem Namen alle Ehre. Die Sache hatte natürlich auch einen (wenn auch äußerst geringen) Vorteil, denn der ohnehin schon gestreßte NTC-Teilnehmer brauchte bei nächtlichen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und viel Wind wenigstens nicht zu schwitzen.

Zur Begrüßung im Camp gab es zunächst ein soganntes "Barrett" mit dem NTC-Zeichen und das obligatorische Namensschild. Dann wurden wir am Versammlungsplatz in Teams eingeteilt. Anschließend folgte "Aufstellung beziehen" und "Eingenordet" werden. Insgesamt geht es auf so einem Camp zunächst recht befremdlich zu, irgendwie recht "
militärisch".  Ich hatte, weil ich ja zu meiner Wehrdienstzeit bei der Handelsmarine Dienst tat, mich nicht an den  Segnungen der Bundeswehr laben können, jedoch vermittelte die erste Versammlung einen gewissen "Vorgeschmack" auf das, was da kommen sollte. Der drahtige Campwart ließ bei mir unheilschwangere Erinnerungen an meine Seemannszeit aufkommen, der war ja wirklich wie ein Bootsmann (Unteroffizier) !

Während der ersten Versammlung durften wir zunächst eine nicht enden-wollende Liste von den Dingen erfahren, was so alles während des NTC verboten ist. Dann folgte eine nicht weniger lange Liste, was alles Vorschrift und zu beachten/befolgen ist. Meinen ersten Eindruck möchte ich an dieser Stelle nicht wiedergeben. Es kam dann während des "Appels" zum ersten direkten Blickkontakt zwischen mir und dem Campwart. Jopp, und dann stand doch noch an meinem Hemd (es ist das Hemd der sogenannten Pfadfinder-Kluft) eine Hemdtasche offen, außerdem war da noch mein ( vielleicht zu?) spöttischer Blick.

Es gab einen kurzen Wortwechsel (ich konnte nur mit viel Willen ein Los-Prusten unterdrücken, jedoch nicht das mir ureigene Grinsen) - Und ich hatte einen der wirklich vorderen Plätze auf des Campwarts Liste der "Vorgemerkten". Ok, daß ich den guten Mann dann "
Ausbilder Schmitt" (bekannt aus dem Comedy-Fernsehen) nannte, war vielleicht nicht wirklich so angebracht.

Ich hatte ja vorher schon angemerkt, daß ich einem Team zugeteilt wurde. Statt wie normalerweise vorgesehen, 6 Mann pro Team, bestand unser Team aus lediglich 4 Leuten. Wenn man so eine Kohte (für die, die es nicht wissen : das ist das "Standard-Zelt" der Royal Ranger) kennt, weiß, daß 6 Leute schon gut zum Schlafen zusammenrücken müssen. Wir hatten jedoch fast schon richtig Platz. Allerdings mußten wir alle Arbeiten, wo normalerweise 6 Leute schaffen, zu viert bewältigen. Zeit war daher in der gesamten Campzeit knapp ...

Unser Team bestand aus Jonathan, Ulli , Thomas und mir. Bis auf Jonathan alles "Zivilisten". Wir waren für die Dauer des Camps das Team der "Biber" . Und Nomen est Omen : wir bissen uns durch...  Für uns doch etwas überraschend sollte bis zum nächsten Morgen-Appell jedes Team einen Teamsong dichten und außerdem den "Biber" (wir waren ja da Biberteam) auf ein Bolotie bringen, welches zuvor aus einer dünnen Holzscheibe und einer Lederschnur angefertigt werden mußte. Damit anschließend nicht überraschend "Langeweile" aufkommen konnte, mußte ebenfalls zum nächsten Morgen-Appel am Versammlungsplatz ein Teambanner (natürlich mit Biber) präsentiert werden.

Nach dem Appel ging es dann direkt an das Aufbau des Teamplatzes. Diese Sache mit dem Aufbau war schon spannend. Aus unserem Team hatte nur Jonathan Pfadfinder-Erfahrung. Wie jedes Team auf dem NTC hatten wir auch einen "Teamhelfer" zugeteilt bekommen: Joachim.

Der Gute schaut auf dem Bild nur beim ersten Hinsehen recht grimmig aus, der Mann ist in Wirklichkeit "herzens-gut". Unser Team hatte während des gesamten NTC wirklich viel Spaß mit JO  (wie wir Ihn kurzerhand nannten).

Ich hatte mir meine eigenen Gedanken über die Teamhelfer angestellt. Mir war schon klar, daß der Teamhelfer jemand ist, der mit Rat und Tips zur Seite steht .... auf der anderen Seite für die Organisatoren eine prima Gelegenheit bietet, uns NTC-Absolventen ein "wenig auf die Finger zu sehen" und ganz nebenbei die christliche Einstellung und die "soziale Kompetenz" der Absolventen unter die Lupe zu nehmen. Jo hatte es mit mir wirklich nicht leicht, habe ich doch wissend um seinen "Beobachter-Job" den einen oder anderen kleinen Scherz gemacht. Er hat mir, so weiß ich mittlerweile, verziehen ...

Da wir nur ein 4-Mann Team waren, konnten wir mit der Geschwindigkeit der anderen Teams nicht wirklich mithalten, obwohl wir erstaunlicherweise nicht als Letzte den Aufbau vollendeten. Ein Team der Damen durfte in das bereits vor dem NTC fertiggestellte "Mustercamp" einziehen. Jopp, Luxus ist halt immer für das Weib.... Allerdings durften die Damen, die dann ja schließlich nicht selber aufbauen mußten, bei den anderen Teams mithelfen. Wir bekamen auch tatkräftige, kompetente und sogar hübsche (...man verzeihe mir das) weibliche Unterstützung. Es stand zunächst die Wahl des eigentlich täglich neu zu betimmenden Teamleiters an. Die Wahl fiel auf Jonathan, der schon Pfadranger-Erfahrung hatte, sein Stellvertreter wurde Ulli. Da diese Wahl recht vernünftig schien, haben wir's das ganze NTC über so gehalten. So brauchten wir diese Prozedur nur einmal durchführen.

Die Zeit verging danach wie im Flug. Auch das ist beim NTC nicht nur scheinbar Methode: Die "Absolventen" werden absichtlich ein bißchen unter Stress gesetzt. Es gibt auf dem NTC nicht wirklich die Möglichkeit zum "Gammeln". Die Zeit ist so bemessen, daß einige Aufgaben nur in großer Eile erledigt werden können. Und einige Termine sind obligatorisch pünktlich (
das ist kein Scherz) einzuhalten: z.B. das Sammeln am Appell-Platz, der Unterricht im Großzelt, Essens- und Materialausgabe. Das "Zu-Spät-Kommen" wird dann schon recht heftig vom Campwart gerügt...

Trotzdem sind natürlich alle Aufgaben wirklich lösbar ... wenn man mit "wollender" Haltung an diese herangeht. Null-Bock-Typen werden jedoch scheitern und ihr Team mit herunterziehen... glücklicherweise gibt es bei den Royal Ranger solche Menschen nicht.

Pünktlich zum Abendessen war unser Teamplatz soweit hergestellt, daß wir die Kote aufgestellt und ein Feuer (was bekanntlich zur Essenszubereitung, wenn die Speisen warm sein sollen, erforderlich ist) machen konnten. Kurz nach dem abendlichen Essen war dann wieder Versammlung auf dem Appelplatz.

Neben einiger Rügen des Campwartes (weil das eine oder andere in allen Teams nicht sooo optimal gelaufen ist) , gab es zuweilen recht vereinzelt spärlich Lob (wenn etwas in den Teams überraschenderweise gut gemacht wurde :) .  Es folgte das Gebet mit dem Camp-Pastor und anschließend die nicht ausschlagbare Einladung zu einer Schulung im Großzelt. Dann gegen 22:00 das 1. mal in die Kote, Schlafsäcke einräumen, Teamkiste ins Zelt und auf die Nachtruhe vorbereiten.

Ups, da war noch was : Richtig, die Dinge, die bis zum nächsten Morgen fertig sein mußten. Also im Licht der Taschenlampen das Banner mit dem Biber bemalt, ebenso die Holzscheiben ( Danke, Ulli!). Für den Teamsong keine Idee nach
DIESEM Tag  und erstmal recht müde in den Schlafsack...

Mitten in der Nacht bin ich von einem infernalischem Gedröhn und Gerappel wachgeworden. Ein fast schon animalisch zu nennendes Schnauben und Trompeten durchdrang das unbeleuchtete Innere unserer Kote. Dieses furchteinflößende Geräuschinferno wiederholte sich in unregelmäßigen Intervallen, die jeweils alle 5-10 Sekunden von Neuem begannen. Ein Teamkollege machte während des Schlafens diese "seltsamen" Geräusche .... "Schnarchen" kann man das selbst bei sehr viel Wohlwollen nicht nennen. Ich hätte diese Geräuschkulisse eher den Offenbarungen des Johannes (gemeint ist die Stelle wo das Ende der Welt nahe ist) zugeordnet ...  als einem doch eher friedlichen NTC.

Dann bemerkte ich, daß mir der lauschige, mit ca.
3° C doch wohligwarme Nachtwind direkt durch einen Bodenspalt ins Gesicht blies. An ein (Wieder-) Einschlafen war vorerst nicht zu denken. Wahrscheinlich erst in den frühen Morgenstunden schlief ich erschöpft und unterkühlt ein ... natürlich um gleich wieder zum Frühstück geweckt zu werden. 

Die Boloties hatte Jonathan inzwischen erledigt, aber dieser Teamsong war noch immer recht problembehaftet. Wir einigten uns irgendwann zwischen Waschen, Feuermachen und Kaffeekochen auf den typischen Sprechgesang des amerikanischen Militärs, das man ja aus vielen dieser schlechten Filme kennt. Anschließend nagelten wir 2 Strophen zusammen, sahen ein, daß das Ergebnis wirklich grottenschlecht war ... und hofften, anschließend, diese Kakophonie niemals öffentlich aufführen zu müssen. Rein mathematisch gesehen, konnten wir doch aufgrund der Wahrscheinlichkeitsrechnung etwas zuversichtlicher sein: immerhin insgesamt 8 Teams, und nur für maximal 2 Teams reichte die Zeit zum Vortragen. Realistisch gesehen eher nur für ein Team.

Am Versammlungsplatz kam unser Team als 2. an, das Banner hatte Jonathan inzwischen auch fertiggestellt. Dann Begrüßung, Flagge aufziehen, Musterung (mein Hemdtaschenknopf diesmal geschlossen), Singen etc. Und dann die Geschichte mit den Teamsongs: Welche Freude!  Es "erwischte" eins der anderen Teams, wir haben nach der Darbietung abgelacht und gut war's, dachten wir. Leider kam es anders:  Der Campwart forderte unser Team dann freundlich und liebevoll (aber so bestimmt, daß er keinen wie auch immer gearteten Widerspruch duldete)  auf, unseren Song aufzuführen. OK, vielleicht hätte ich den Mann am Vortag nicht so spöttisch angrienen sollen, vielleicht war's auch nur die Bemerkung mit dem "Ausbilder Schmitt" - das Team also im Gleichschritt vor die Flagge,  mit den anderen Teams Aug' in Aug'  sowie die Campleitung im Rücken, und los ging's ...

Ich geb's zu, in musikalischer Hinsicht  mit sehr viel Potential (zur nachhaltigen Verbesserung), aber  nicht wirklich melodisch zu nennen ... trugen wir diese halbfertige Roh-Lied-Masse mit dem Todesmut der Verachtung und in aller Selbstverleugnung vor.  Es gab wenig Pfiffe und nicht wirklich frenetischen Jubel, jedoch schien unser Vortrag das gesamte NTC zu erheitern. Genaugenommen haben die anderen Teams gelacht, hmmm, noch genauer : die anderen Teams haben sich vor lauter Ablachen beinahe "eingenäßt". Spätestens jetzt und angesichts dieser Aktion kam mir der Gedanke, daß wir nicht das Team mit der besten Gesamtperformance werden ... jedoch das Team mit dem größtem Fun-Faktor bleiben :)


Hier im Bild kann der geneigte Leser wirklich zwei wirklich "dicke Freunde" sehen. Das Bild ist am 3. Tag aufgenommen ... der Schlafentzug und die lauschigen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt zeigen Wirkung: Verschnupft, Erschöpft ... aber doch glücklich.  Mit Thomas Dangelat verbindet mich seit dem NTC ein festes Band. Übrigens, der "Nettere" auf dem Foto bin natürlich ich.  ;)

( Danke an Jonathan für das Foto)

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